Präses: Rheinische Kirche unterstützt den Technologietransfer in den Süden
Nahrungsmittel, Gesundheit, Transport, Erwerbseinkommen - immer spielt die Klimafrage hinein. Und auch die Frage der Gerechtigkeit hänge am Klima. "Wir sind bei absolut grundlegenden Fragen", sagte der Präses zum Auftakt der Konferenz über "Das Klima der Gerechtigkeit fördern - Technologietransfer als Instrument in der Entwicklungszusammenarbeit".
Höchst interessiert an einem Modellprojekt zeigten sich zwei Vertreter aus Marokko. Konkreter: Für das Projekt Alcesdam in der marokkanischen Wüste seien solarbetriebene Pumpen eine spannende Möglichkeit, sagte Hassan Mouradi, Agrarwissenschaftler und Projektleiter von Alcesdam. Das Projekt gilt dem Kampf gegen Dürre und Verwüstung. Mittels Wasserpumpen werden Oasen wieder belebt. Und dafür ist eine Energiealternative zu Diesel oder Kerosin willkommen. Mouradi: "Diese Konferenz ist für uns so interessant, weil wir so viel Sonne haben." Ihm pflichtete der Provinz-Direktor für Agrikultur Ali El Hasnaouy bei, er hofft auf eine "große Möglichkeit für die Zukunft".
Superintendent Sannig: Chancen für Menschen und Klima
Einer der Kenner von Alcesdam ist der Jülicher Superintendent Jens Sannig, dessen Kirchenkreis mit der Evangelischen Kirche in Marokko partnerschaftlich verbunden ist. Als Vorsitzender des Ausschusses für öffentliche Verantwortung sowie der Projektgruppe Globalisierung der Evangelischen Kirche im Rheinland machte Sannig deutlich, dass die rheinische Kirche nach dem Technologietransfer fragt, weil sie die Herausforderungen der Globalisierung unter dem Titel "Wirtschaften für das Leben" annimmt. Es gelte, "dem Klima und den Menschen auf dieser Erde eine Chance zu geben", erklärte der Theologe. Die Projektgruppe Globalisierung wird auch das Thema Klima und Gerechtigkeit weiter führen.
Von Marokko weiter Richtung Süden auf dem afrikanischen Kontinent: Für Tansania berichtete Christoph Wand von der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) über ein evangelisches Krankenhaus in den Bergen, das von einem Dieselgenerator auf eine Windkraftanlage umgestellt wurde. Wand brachte weitere Beispiele für "Nord-Süd-Kooperationen als Grundlage der entwicklungspolitischen Klimaplattform der Kirchen", wie sein Vortrag lautete, etwa Kleinstwasseranlagen auf den Philippinen und Solarkocher in China. Außerdem berichtete er davon, dass die VEM zum 1. Juni je einen Klimaberater in die VEM-Partnerkirchen in Afrika und Asien entsendet - so entstehe "Süd-Süd-Kooperation" zum Klimaschutz.
Einheimische an den Projekten beteiligen
Alles ganz einfach? Keineswegs. Wartung und Reparatur sind Aufgaben, die geklärt werden müssen. Mögliche Hindernisse sind oft Patentfragen, berichtete Richard Brand vom Evangelischen Entwicklungsdienst (EED). Wichtig sei es auch, die Menschen mitzunehmen, machten die Gäste aus Marokko deutlich: Projekte gelingen, wenn die Einheimischen von Beginn an informiert und beteiligt werden. Deutlich wurde auch, dass Techniktransfer aus Industrie- in Entwicklungsländer nicht reicht. Wünschenswert wäre, dass Länder des Südens selbst Anlagen bauen können. Das Ideal lautet dann, aus dem Norden betrachtet, so: "Der Mitarbeiter fährt nur mit dem Schraubenzieher hin." Das sagte Prof. Dr.-Ing. Bernhard Hoffschmidt vom Solar-Institut Jülich (SIJ). Sein Vortragsthema: "Forschung und technische Innovationen für ein Klima der Gerechtigkeit - am Beispiel solartechnischer Initiativen in Nordafrika".
Das SIJ hat beispielsweise ein Aids-Waisenhaus von Franziskanerinnen in Malawi auf eine solarbetriebene Gemeinschaftsküche umgestellt. Auf mehr als 3.000 Metern Höhe ist in Argentinien die Beheizung von Schulen und Kindergärten gelungen. Doch nicht alles gelinge, räumte Hoffschmidt ein und nannte das Beispiel einer Backanlage in Burkina Faso, die heute ungenutzt verrotte. Aufgeben jedoch gilt nicht: Derzeit arbeitet das SIJ daran, in Algerien ein Forschungskraftwerk zu gründen. Dessen Kapazität solle dem Bedarf einer größeren Ortschaft entsprechen. Und: Die Regeltechnik soll aus dem Norden mitgebracht, die Spiegel aber in Algerien hergestellt werden, so Hoffschmidt.
Quelle: Pressemeldung Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR)
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